DIE RÜCKKEHR DER „GLORREICHEN SECHS“

Vor 80 Jahren – am 4. Mai 1945 – wurde in Wels ein lokales Waffenstillstandsabkommen zwischen der örtlichen Wehrmachtsführung und den vor der Stadt stehenden Amerikanern unterzeichnet. Damit endete der 2. Weltkrieg in Wels schon vier Tage früher als im restlichen Europa.

Im Mai 2011 wurde im Rahmen eines ganz besonderen Besuches an die Wirren des Krieges aber besonders auch an unsere Befreiung vom Nazi Regime gedacht.

Einst Befreier von NS-Staatsbestialität – US-Veteranen besuchten Bundesheer in Army-Oldtimern

Großes Aufsehen herrschte damals, als sechs US-Veteranen mit familiärem Anhang in Army Oldtimern durchs Land ob der Enns fuhren. 66 Jahre nach dem Einmarsch „ihrer“ 65. Infanteriedivision am Fliegerhorst Hörsching am 5. Mai 1945 – rollte 2011 erneut ein Trupp amerikanischer Weltkriegskämpfer in US-Army-Fahrzeugen durchs Kasernentor in Hörsching.

Einst Befreier von NS-Staatsbestialität kamen die US-Veteranen vor 14 Jahren als freundlich gesonnene Besucher in den Militär Oldtimern. Willys Jeep MB, Dodge Wc-51 Weapon Carrier, Kommando-Dodge Wc-56 und GMC-Truck 6×6 trugen sogar die taktischen Zeichen ihrer US-Einheiten. Aufgepinselt von Chefredakteur Helmut Moser der damals das Freundschaftstreffen mit-initiierte.

Helmut Moser neben seinem Jeep, Baujahr 1943, in der Kaserne Wels. Mickey Dorsay am Beifahrersitz, hinter ihm Robert Eiter.

Die Fahrzeuge stammten aus der damaligen Sammlung von Militär- und Feuerwehr-Oldtimern des Medienmachers und passionierten Sammlers der diese unter der Firmierung „History Wheels“ für Events und historische Filmdrehs vermietete. Es handelte sich vorwiegend um Fahrzeuge, welche die Besatzungsmächte 1955 dem Bundesheer überließen, und die der passionierte Oldtimerfreund Moser erwarb, nachdem sie das Heer aussortierte. „History Wheels“ gibt es nach wie vor. Die Modelle sind zwar etwas „kleiner“ geworden dafür in noch größerer Anzahl und nicht minder beherzt sortiert, gewartet und auf https://www.modellauto-historywheels.at/ zum Kauf angeboten.

Für die betagten Herren war es 2011 jedenfalls ein Déjà-vu, als sie die Tour durch die Bundesheer-Kasernen Hörsching und Wels machten.

In der Welser Kaserne vor einem Panzer mit Leoparden-Tarnung.
Von links: Alfred Kaser, US-Veteran Robert Patton, Anna Rosmus, US-Veteran Mickey Dorsey und Peter Koits der für den „Durst“ der historischen Militär-Vehikel aufkam…

Die Veteranen freuten sich wie „kleine Buben“ über die Tour in den alten US-Army-Karossen. In der Veteranengruppe reiste damals auch Roger Mockford aus Oregon mit. Er war von der 11. US-Panzerdivision, die am 5. Mai 1945 Linz einnahm und tags darauf das KZ Mauthausen befreite.

Erinnerungen auffrischen konnte damals auch der Veteran Roy Heatherly. Er marschierte einst als MG-Schütze der 65. Infanteriedivision am Fliegerhorst Hörsching ein. Dort war ab 9. Mai 1945 auch das amerikanische „Feldlazarett Nr. 121“ für 4000 KZ-Überlebende. Im Hörschinger Kasernen-Lazarett war auch der damals 19-jährige Robert Otto Fisch. Als ungarischer Jude war er zuvor im KZ-Nebenlager Gunskirchen befreit worden. 2011 besichtigte der betagte Herr mit einer Gruppe von Veteranen Bayern und Österreich.

Robert Fisch hatte im April 1945 den „Todesmarsch“ von Mauthausen nach Gunskirchen überlebt, dessen Konzentrationslager Großteils im Wald der Nachbargemeinde Edt bei Lambach lag. Unter den US-Soldaten, die das Konzentrationslager am 4. Mai 1945 entdeckten, war auch der Funker Sergeant Mason „Mickey“ Dorsey auf seinem Panzerspähwagen M-8 Greyhound vom mechanisierten Kavallerie-Aufklärungszug, der bei beim Erinnerungs-Besuch eine rührende Gedenkrede nebst hochrangigen Persönlichkeiten aus Militär und Politik hielt.

Robert Fisch (rechts im Bild) und seine Tochter Alexandra. Diese dankte US-Veteran Mickey Dorsey (links im Bild) beim Gedenkstein des KZ Gunskirchen dafür, dass er ihren Vater einst daraus befreite.

Das Lager Gunskirchen wurde am 4. Mai 1945 von der 71. Infanteriedivision der US-Armee befreit. Die amerikanischen Soldaten fanden bei ihrer Ankunft entsetzliche Zustände vor. Es war ein Bild des Grauens, das sich in vielen Berichten von Befreiern und Überlebenden widerspiegelt.  Heute erinnert ein Gedenkstein im Wald bei Gunskirchen an die Befreiung des Lagers. Zudem gibt es Bestrebungen, die Geschichte des Lagers stärker aufzuarbeiten und das Gedenken daran zu pflegen, da die Geschehnisse in Gunskirchen lange Zeit weniger bekannt waren als die anderen größeren Lager.

Das KZ Gunskirchen ist ein erschütterndes Beispiel für die Grausamkeit des NS-Regimes in den letzten Wochen des Krieges und ein wichtiger Ort der Erinnerung an die Verbrechen des Holocaust.

Fotocredit: Archiv EINSATZ Magazin der Moser Mediengroup Austria

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