Erst Wehrwillen stärken, dann aufrüsten

Pferd nicht beim Schwanz aufzäumen

Warum etwas richtigmachen, wenn es auch falsch geht. Bei Österreichs Regierungspolitikern scheint diese Methode schon eine lange Tradition zu haben, und zwar in allen Bereichen.

Nehmen wir einmal nur das Bundesheer her. So richtig und notwendig es ist, unsere Armee zu modernisieren und aufzurüsten, so sinnlos erscheint dieses Vorhaben, wenn im Ernstfall niemand bereit ist, zur Waffe zu greifen um unser Land im Bedrohungsfall zu verteidigen.

Die Berufssoldaten im Bundesheer sind es natürlich schon, nur sind sie derzeit viel zu wenige und eventueller Nachwuchs steht aus verschiedensten Gründen nicht zur Verfügung. Denn dieser ist zum einen oft zu fett und zu unbeweglich, und zum anderen psychisch gestört.

Schuld daran, so hört man, sollen hauptsächlich Stoffwechselerkrankungen, Probleme des Bewegungsapparates und Seh- sowie Hörstörungen sein. Von den 8757 Jugendlichen, die im Vorjahr in Oberösterreich bei der Stellung waren, haben sich 1.470 als untauglich erwiesen (16,76 Prozent). Und vom tauglichen Rest hätten sich 60 Prozent die Ableistung ihres Wehrdienstes lieber erspart.

Von den 8757 Jugendlichen, die im Vorjahr in Oberösterreich bei der Stellung waren, haben sich 1.470 als untauglich erwiesen. | Bild: Bundesheer

Der Wehrwille unter den Jugendlichen ist in den letzten vier Jahrzehnten, wie diverse Umfragen ergaben, laufend gesunken. Verwunderlich ist das freilich nicht, weil es alle vorangegangen Regierungen als nicht notwendig erachtet haben, in dieser Hinsicht etwas zu tun. Man hatte es verabsäumt, dem Zeitgeist Paroli zu bieten.

Die nunmehrige Aufrüstung, so notwendig sie für unser Bundesheer auch wäre, erscheint daher zum gegebenen Zeitpunkt mehr Aktivismus zu sein, der keinem ausgeklügelten Plan zu folgen scheint. Das Geld, das man jetzt in das Sky-Shield-Projekt investiert, hätte man schon vor Jahren in die wehrpolitische und staatsbürgerliche Bildung für unsere Jugend stecken sollen. Dann hätte man heute auch keine Personalprobleme im Heer.

Fotocredit: Bundesheer.at – Titelbild Fotograf Dominik Bernegger

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